Team

Prof. Dr. Jutta Toelle

Universitätsprofessur für Angewandte Musikwissenschaft

Gustav-Mahler-Privatuniversität für Musik, Klagenfurt am Wörthersee

ECR Rolle: Investigator

Mießtaler Straße 8

9020 Klagenfurt

Österreich

Bio

Jutta Toelle ist Musikwissenschaftlerin und Historikerin und forscht zurzeit zu Konzert- und Opernpublika des 21. Jahrhunderts, aber auch zu Themen wie Applaus, der Idee von „Mission durch Musik“ und Giacomo Puccini.

Sie wurde 2005 mit einer Arbeit über die italienische Opernindustrie im 19. Jahrhundert („Oper als Geschäft“, Bärenreiter 2007) an der HU Berlin promoviert und lehrte von 2007 bis 2012 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Musiksoziologie an der HU Berlin. Nach einem Jahr als Visiting Scholar am Department of Music der University of Chicago arbeitet sie seit 2013 an der Musikabteilung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik in Frankfurt am Main.

Ihre aktuellen Projekte stellen fundamentale Fragen nach dem Hören, Rezipieren und Machen von Musik; zudem untersucht sie die Schnittstellen zwischen Musik und ökonomischem Denken, sowohl innerhalb von aktuellen kulturpolitischen Diskussionen als auch anhand historischer Beispiele. Im Mittelpunkt ihrer Forschung steht die Frage, wie Menschen Musik erleben und welcher Wert der Erfahrung von (Live-)Musik in einer Gesellschaft beigemessen wird.

Research Statement

Das ECR-Projekt bietet für mich die Chance, als Musikwissenschaftlerin und mit einem genuin geisteswissenschaftlichen Blick einige ganz grundsätzliche Fragen in Bezug auf das Erleben des Konzerts durch die Menschen im Konzertsaal zu untersuchen.

Mich interessiert beim ECR-Projekt am meisten, wie für die Menschen im Publikum das participatory sense-making (oder die sinnstiftende Interaktion) im Konzert und durch das Konzert funktioniert: warum gehen sie, meist gemeinsam, dorthin, was suchen sie und was bekommen sie dort (Dimension „Interaktivität“)? Im Zuge der Konzertexperimente gehe ich vor allem durch qualitative Datenerhebung der Frage nach, was in Zeiten der Allverfügbarkeit vieler Arten von Musik das Besondere am Live-Kontext ist (Dimension „Liveness“), und was passiert, wenn althergebrachte Konventionen und Rituale thematisiert und sukzessive in Frage gestellt werden? Und kann das kollektive und individuelle Konzerterleben der Menschen im Publikum mit dem der MusikerInnen in Beziehung gesetzt werden, und wenn ja, wie (Dimension „Reziprozität“)?

Im Zuge des ECR-Projekts reizen mich die Interventionen, die die Konzertrituale ansprechen, in Frage stellen bzw. dann bewusst außer Kraft setzen: Was bewirken diese Interventionen in Bezug auf die im und durch das Konzert stattfindende Sinnkonstruktion, die das Publikum kollektiv sowie individuell vornimmt?